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05.07.2012 / Medizinrecht

Fortbildungspflicht für Ärzte – Es zählt jede Seite

Nach einem Urteil des Oberlandesgericht Koblenz vom 20.6.2012 (AZ: 5 U 1450/11) kann ein grober Behandlungsfehler vorliegen, wenn der Arzt seinen Fortbildungspflichten nicht in ausreichendem Maß nachkommt: Dazu gehört das regelmäßige Lesen anerkannter und einschlägiger Fachliteratur und eine Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis.

Ein Krankenhaus ist zu Schmerzensgeld verurteilt worden, da der Anästhesist die Verabreichung eines neuen Wirkstoffs unterlassen hatte. Ihm war vor der Operation einer Patientin deren Überempfindlichkeit gegen Narkosemittel bekannt. Nach dem Eingriff litt die Patientin unter starker Übelkeit und Erbrechen. Monate vorher war allerdings in einer anerkannten Fachzeitschrift über einen Wirkstoff berichtet worden, der solche Beschwerden in der Anästhesie lindern könne. Der Zeitraum zwischen Publikation und Operation genüge nach Auffassung des Gerichts, um das Versäumnis der Wirkstoffzugabe als groben Behandlungsfehler zu werten.

Fazit: Aus der Sorgfaltspflicht resultiert die Pflicht zur Fortbildung, die eine Lektüre der Fachliteratur und eine indizierte Anwendung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse unerlässlich macht. Verletzt der Arzt diese Pflichten, muss er nachweisen, dass Beschwerden oder Risiken nicht vermeidbar waren.

Für Rückfragen steht Ihnen Frau Rechtsanwältin Katrin Döber gern zur Verfügung.


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