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01.08.2017 / Arbeitsrecht

Wer muss die Kosten bei Vorstellungsgesprächen erstatten

Nach den aktuellen Nachrichten gab es noch nie so viele offene Stellen wie im Juli 2017. Egal welche Branche, alle suchen Fachkräfte. Sei es im Einzelhandel, im Handwerk oder auch bei den Freien Berufen. Daher ist es wichtig, zu wissen, wer die Kosten für die Wahrnehmung eines Vorstellungsgespräches tragen muss, sofern darüber nicht mit dem potentiellen Bewerber eine Vereinbarung getroffen wird. Die herrschende Meinung ist der Ansicht, dass das Vorstellungsgespräch letztendlich im Interesse des zukünftigen Arbeitgebers erfolgt und dieser daher gemäß §§ 670, 662 BGB die Kosten zu tragen hat. Die Begründung dafür ist richtig. Der Arbeitsplatz wird vom zukünftigen Arbeitgeber angeboten und die Entscheidung darüber, ob der Bewerber eingestellt werden wird oder nicht, fällt ebenfalls der Arbeitgeber und nicht der Kandidat. Selbstverständlich hat der potentielle Arbeitgeber die Möglichkeit, den Anspruch auf Erstattung von Kosten auszuschließen. Dies sollte mit der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erfolgen, und in Textform. Nur dann kann der Bewerber sich entscheiden, ob er gleichwohl das ihm angebotene Vorstellungsgespräch wahrnimmt oder nicht. Erfolgt im Rahmen eines Telefonats der Hinweis, dass z.B. Reisekosten nicht übernommen werden, kann dies im Nachhinein zu Problemen führen. Wird dem Bewerber eine Absage erteilt, kann die Enttäuschung darüber einen Sinneswandel hervorrufen und die Reisekosten werden geltend gemacht. Welche Kosten sind zu erstatten:

Die Fahrt- und auch die Übernachtungskosten sind zu erstatten, sofern diese im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Bewerbungsgespräch stehen. Bei den Fahrtkosten sind zu erstatten die Bahnkosten zweiter Klasse und bei Fahrten mit dem Auto die Kilometerpauschale (0,30 EUR pro Kilometer). Da zwischenzeitlich Flugreisen günstiger sind als Reisen mit der Deutschen Bundesbahn werden auch diese Kosten zu erstatten sein. Die Hotelkosten bzw. Kosten für die Übernachtung werden nur dann übernommen, wenn eine solche erforderlich war. Dies ist im Einzelfall zu beurteilen. Ob sonstige Kosten erstattet werden, hängt ebenfalls vom Einzelfall ab und bedarf einer Vereinbarung. Ein etwaiger Verdienstausfall ist ebenso wenig zu erstatten wie die Verpflegungskosten, da sich der Kandidat auch zu Hause hätte versorgen müssen.

Wie jeder normale Anspruch nach dem BGB so verjährt auch der Anspruch auf Erstattung der Kosten innerhalb von drei Jahren. In der Literatur wird die Ansicht vertreten, dass der Anspruch auf Erstattung von Vorstellungskosten entfallen kann, auch ohne dass dies vorher vereinbart wurde, sofern der Bewerber nicht im Entferntesten über die geforderten fachlichen oder persönlichen Qualifikationen verfügt und damit den Unternehmer getäuscht hat.

Es ist davon auszugehen, dass in Zeiten des Fachkräftemangels die Ansprüche der jeweiligen Bewerber hoch sind, Daher ist vor der Einladung zu einem Gespräch über die Kosten zu sprechen, sofern der Bewerber aus einer anderen Stadt anreisen muss.

Claudia Frank
Fachanwältin für Arbeitsrecht

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