RECHTSSPRECHUNGEN

Bitte wählen Sie ein Themengebiet:

01.04.2015 / Allgemein

Aktuelles im Steuerrecht

Der ermäßigte Steuersatz von 25% bei Darlehenzinsen auch bei Angehörigen möglich.

Darlehenszinsen unterliegen dem besonderen Steuersatz von 25 %. Sie sind für die Steuerpflichtigen vorteilhaft, die einer höheren Einkommensteuer unterliegen. Der Darlehensnehmer wiederum kann Werbungskosten oder Betriebsausgaben steuermindernd ansetzen. Daher wundert es nicht, dass immer wieder versucht wird, zwischen Angehörigen ein Darlehensverhältnis zu begründen. Um dies zu verhindern hat der Gesetzgeber in § 32 d II EStG eine sogenannte Missbrauchsvorschrift eingebaut. Der Sondersteuersatz von 25 % wird dann nicht gewährt, wenn Gläubiger und Schuldner einander "nahestehende" Personen sind oder wenn eine Kapitalgesellschaft diese Darlehenszinsen an einen Gesellschafter zahlt, der zumindest mit 10 % beteiligt ist, oder an eine, diesem Gesellschafter nahestehende Person. Der BFH hat 2014 diesen Sondersteuersatz bei Darlehen zwischen Angehörigen anerkannt und bei einem Darlehen zwischen einer Kapitalgesellschaft und einem ihrer Gesellschafter versagt. In einem Fall ging es um das Darlehen, das Eltern ihrem volljährigen Sohn und volljährigen Enkel gegeben haben, damit diese den Erwerb einer Immobilie finanzieren konnten, die an Dritte also Fremde vermietet werden sollte. Der BFH kam zu dem Ergebnis, dass dieses Darlehensverhältnis steuerlich anerkannt werden muss. Das " Näheverhältnis" im Sinne des § 35 d II EStG liegt nach Ansicht des BFH nur dann vor, wenn der Darlehensnehmer auf den Darlehensgeber einen sogenannten beherrschenden Einfluss ausüben könnte. Dies wird bei volljährigen und auch wirtschaftlich unabhängigen Personen verneint. Der Sondersteuersatz wurde also anerkannt.
Nicht anerkannt wurde hingegen der Sondersteuersatz bei einem Darlehen, das einer GmbH von ihrem Gesellschafter gewährt wurde, der mindestens mit 10 % an der GmbH beteiligt war. Der Sondersteuersatz sei in diesem Fall nach dem Wortlaut des § 32 d II EStG ausgeschlossen.
Im dritten Fall ging es um ein Darlehen das der GmbH gewährt wurde und an der Enkel und Tochter der Darlehensgeberin zu jeweils mehr als 10 % beteiligt waren. Nach dem Wortlaut müsste der Sondertarif auch hier nicht gewährt werden. Der BFH entschied jedoch, dass die Darlehensgeberin in diesem Fall keine nahestehende Person sei, da es an der sogenannten Beherrschungssituation fehle.
Diese Entscheidungen sind zu beachten. Sie liefern Gestaltungsmöglichkeiten im Familienkreis, die steuerlich günstig sein können. Zu beachten sind diese Entscheidungen vor allem deshalb, weil Angehörige selten zueinander in einem Beherrschungsverhältnis stehen. Bei der reinen Beteiligung an der Kapitalgesellschaft ist es daher ratsam, dass das Darlehen von einem Angehörigen eines Gesellschafters gewährt wird, der mit mindestens 10 % an der Gesellschaft beteiligt ist. In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass bei Versagung dieses besonderen Steuersatzes für den Darlehensnehmer weder die Verlustausgleichsbeschränkung noch die Beschränkung des Werbunskostenabzuges (§ 20 VI und IX EStG) gelten.



Das Zollkodexanpassungsgesetz (oder auch Jahressteuergesetz 2015) hat das Teilabzugsverbot nach § 3 c II EStG erweitert. Einnahmen des Steuerpflichtigen die dieser aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften erzielt, unterliegen nur zu 60 % der Einkommensteuer. § 3 c II EStG (60 % Regelung) gilt auch für Gesellschafterdarlehen und zwar dann, wenn der Gesellschafter unmittelbar oder mittelbar zu mehr als 25 % an der Kapitalgesellschaft beteiligt ist. Der Verlust des Darlehens kann dann steuerlich nur noch zu 60 % berücksichtigt werden. Die Kürzung gilt nur dann nicht, sofern der Gesellschafter nachweist, dass es sich um ein fremdübliches Darlehen handelt, also ein Dritter hätte der Gesellschaft ein Darlehen unter den gleichen Bedingungen gewährt oder hätte es nicht vorzeitig zurückgefordert. Die Vorschrift ist erstmals ab 31.12.2014 anzuwenden. § 34 c Abs. 1 EStG ist auch zu berücksichtigen. Darin ist nunmehr geregelt, dass der in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtige, der aber auch Einkünfte im Ausland erzielt, mit denen er im In- und Ausland steuerpflichtig ist, kann ab sofort die ausländischen Steuern auf die deutsche Einkommensteuer in vollem Umfang anrechnen. Somit ermäßigt sich die deutsche Einkommensteuer auf die ausländischen Einkünfte. Auch diese Vorschrift gilt erst ab dem Veranlagungszeitraum 2015. Es ist allerdings eine Übergangsregelung vorgesehen für alle Fälle bis 2014.

Zurück zur Übersicht

  PROBANDT
Rechtsanwälte und Notar
Hagenstraße 30, 14193 Berlin
Telefon +49 (0)30 895907-0
Fax +49 (0)30 89590790

NEWSLETTER

Abonnieren Sie hier.
 


Newsletter abonnieren